9 to 5 (1980)

Franklin M. Hart jr. sitzt auf seinem Posten, weil ihn ein Mann und eine Männerwelt dorthin gesetzt haben – und weil tüchtige Frauen die Arbeit tun. Er regiert seine Abteilung mit rigorosen Regeln: keine Familienfotos und Pflanzen am Arbeitsplatz, wer übers Gehalt spricht, fliegt. Er stellt seiner Sekretärin nach und gibt einen Verbesserungsvorschlag seiner Abteilungsleiterin als seinen eigenen aus. Wenn es um das geht, was andere für ihn tun können, beschwört er das „Teamwork“ (Kaffee holen, einen Schal, angeblich für die Gattin, besorgen), ansonsten sät er Zwietracht und Argwohn: teile und herrsche. Seine langjährige, wichtigste Abteilungsleiterin hält er mit der Aussicht auf eine Beförderung bei der Stange, um ihr diese dann doch im Hinblick auf Bob, der schließlich eine Familie zu ernähren habe, zu verwehren. Die alleinerziehende Witwe Violet mit ihren vier Kindern hat mal wieder das Nachsehen.

Filmplakat von "9 to 5"
Filmplakat von „9 to 5“. © 1980, 20th Century Fox

Franklin M. Hart jr. ist die klassische Niete in Nadelstreifen, eine Witzfigur. Er sitzt sich den Hintern auf seinem allerdings wackligen Bürostuhl platt und feilt an persönlichen Intrigen, wie er seine Sekretärin Doralee doch noch rumkriegen könnte (während er überall schon rumerzählt hat, dass sie seine Geliebte sei). Neuling Judy, die ihr Leben lang nicht außerhalb des Heims gearbeitet hat und mit dem modernen Fotokopierer nicht klar kommt, herrscht er an: „Das schafft doch jeder Idiot!“ Was er eigentlich fachlich tut oder führungstechnisch vollbringt, bleibt unerzählt. Er stellt im Grunde nur stumpfe Regeln auf, die sein Bürodrache und -spitzel, Büroleiterin Roz, beflissen durchzusetzen hilft. Die anderen Frauen, die allesamt den Job dringend brauchen, beißen die Zähne zusammen. It’s a (rich) men’s world.

9 to 5 (Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?, 1980) ist die Mutter aller Filme über unfähige Bosse und miese Bürojobs. Der Titelsong von Dolly Parton, der die Falle eines versklavenden Bürojobs von 9 bis 5 besingt, wurde die Hymne der Bürogeplagten. Dolly Parton spielt selbst eine der Hauptrollen: Sie veranschaulicht hier als Vorfahrin von Bürovorsteherin Joan aus der Serie Mad Men als Doralee Rhodes, dass ein gut gefülltes Dekoletté keine Einladung an einen Mann ist, dort hinzulangen oder auch nur hinzuschmulen. In einer Phantasieszene dreht sie den Spieß auch um. Hier zeigt der Film pfiffig, wie es sich anfühlt, wenn Mann als Sexobjekt missbraucht wird und „sich nicht so anstellen“ soll. Vor allem, wenn die Machtverhältnisse ebenfalls umgedreht sind und sich der Niedriggestelltere aus Jobangst nicht traut, sich zu wehren.

9 to 5 ist auch deswegen ein Film, der die scheinbar festgefügten Geschlechterrollen in der Arbeitswelt der frühen 1980er Jahre thematisiert und für uns dokumentiert. Neben sexueller Anzüglichkeit und Machtmissbrauch sind das ungleiche Löhne für Männer und Frauen, bevorzugte Beförderung von Männern, Abwertung von weiblichen Beschäftigten als private Servicekräfte (private Besorgungen erledigen, Blumen für die Gattin, Kaffee holen).

Besonders die Beförderung eines Mannes, der weniger lange im Unternehmen ist als die Frau, die schon so lange prädestiniert für eine Beförderung ist und sich im Betrieb auskennt wie in ihrer Westentasche, folgt den Argumenten, die bis heute zum gender pay gap beitragen: Dem Boss oben scheint das irgendwie vertrauter zu sein[1], er glaubt auch, dass dies die Kunden so erwarten würden, und er argumentiert, Alleinverdiener Bob müsse ja eine Familie ernähren – was für die unterlegene Violet (Lily Tomlin) nebenbei ebenso gilt. Mal abgesehen davon, dass sonst beim Gehalt und bei der Beförderung immer das Leistungsprinzip bemüht wird und man nicht von privaten konsumtiven Erfordernissen sprechen soll.

Dass Bosse die Ideen ihrer Mitarbeiter*innen als ihre eigenen ausgeben, kann auch Männern passieren. Hier ist es die Frau, die einen Verbesserungsvorschlag vorlegt, der „20 Prozent Einsparungen“ bringen würde. Ihr Boss schickt sie weg, angeblich müsse der Vorschlag noch nachgebessert werden. Dabei hat er die Idee bereits an seinen eigenen Boss weitergegeben und kassiert bei nächster Gelegenheit großes Lob für seine vorbildliche Innovationsbereitschaft. Violet ist zwar in diesem Moment dabei, verkneift sich aber im Hinblick auf die versprochene Beförderung, dagegen vorzugehen. Als ihr diese dann wieder verwehrt wird, ist das Fass übergelaufen. So wie bei Doralee, die erfährt, warum sie von den Kolleginnen gemieden wird: die denken wegen seiner Anspielungen, Doralee habe etwas mit ihrem Chef. Oder bei Judy (Jane Fonda), die sich wegen der Entlassung einer Kollegin empört und findet, dass man sich verbünden und zusammenschließen müsse, „um sich zu beschweren“. Tja, aber bei wem?

Filmszene aus 9 to 5 (20th Century Fox)
Büroszene aus „9 to 5“ nach der Verwandlung. © 1980, 20th Century Fox

Doralee, Violet und Judy haben jeweils eigene Beweggründe, warum sie ihrem Boss (Dabney Coleman) am liebsten den Hals umdrehen würden. Durch eine Kette slapstickartiger Verwicklungen landet dieser schließlich im mehrwöchigen Hausarrest, indes seine drei Mitarbeiterinnen das Büro nach ihren humaneren Ideen umgestalten. Mit seiner gefälschten Unterschrift veranlassen sie eine bunte Büromöblierung und erlauben die persönliche Arbeitsplatzverschönerung mit Pflanzen und Familienfotos. Sie führen gleiche Gehälter für Männer und Frauen ein, gründen einen Betriebskindergarten, ermöglichen Teilzeitarbeit (eigentlich Job-Sharing[2]) und Gleitzeit, gründen ein Alkoholiker-Rehabilitationsprogramm und schaffen die Stechuhr ab. Am Ende ist die Belegschaft diverser, wohlgelaunter und gesünder als vorher: Es gibt nun farbige Mitarbeiter*innen, einen Mitarbeiter im Rollstuhl und Mitarbeiter*innen, denen eine Vollzeitstelle zu viel war, können jetzt Beruf und Familie besser vereinen. Insgesamt fehlen die Mitarbeiter*innen weniger als zuvor UND die Abteilung kann eine 20%ige Produktivitätssteigerung vorweisen.

Genugtuung für Subalterne: Während der mehrwöchigen Abwesenheit des Bosses vermisst diesen keiner wirklich: Es will ihn bis auf seine Büroleiterin niemand persönlich treffen. Alle Anrufer*innen können vertröstet werden. Und so kann das subversive, informelle Chefinnen-Kollektiv aus dem Team heraus führen, die Arbeitswelt gestalten und den Laden schmeißen. Viele Angestellte weltweit werden sich hier wiederfinden: Die Arbeit könnte so schön sein, wenn man einfach nur seine Arbeit machen dürfte, und der Boss wird eigentlich nur für seine Unterschrift benötigt, damit alles am Laufen bleibt.

Am Ende kassiert wieder der Boss die Belobigung für seine innovativen Ideen, die zudem noch zu Ergebnisverbesserungen führten. Der Aufsichtsratsvorsitzende, vor dem auch der Oberboss kuscht, kommt zu Besuch und lässt sich von Violet (jetzt plötzlich für Hart „so etwas wie meine rechte Hand“) erläutern, was es alles mit den Neuerungen im Büro auf sich hat – und inwiefern sich diese auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen ausgewirkt haben.

Doralee: „Die Leute fehlen nicht mehr so oft. Man findet es großartig.“

Franklin: „Tatsächlich? Mir gefällt es nicht, und ich hab hier das Sagen.“
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Wenn auch die drei Frauen wieder keine Lorbeeren ernten können, so wird ihnen zumindest ihr Boss weggelobt: Eine Beförderung, auf einen Auslandsposten in Brasilien. „Teamarbeit,  Teamarbeit, darauf kommt es immer an. Dorthin gehen, wo man gebraucht wird… Ein ‚Nein‘ als Antwort gibt es bei mir nicht.“

Vorher soll er aber noch die Sache mit den gleichen Gehältern zurücknehmen, das sei ja etwas zu viel und nicht nötig. Schade. Eine Drehbuch-Geste in die Richtung aller (männlichen) Arbeitgeber und Unternehmensführer?

Wer hält an Ihrem Arbeitsplatz eigentlich den Laden am Laufen?

In modernen Unternehmen erodiert die einstmals strenge hierarchische Ordnung mehr und mehr. Eine Vielzahl von Aufgaben wird heute in Projekten erledigt, speziell alles, das mit ‚Change‘ zu tun hat. Die Leitung übernimmt jemand, der nicht zwangsläufig in der Hierarchie oben steht oder auf die Projektmitarbeiter*innen personell  durchgreifen kann, sondern fachlich die beste Passung mitbringt. Geführt wird mittels Vision, Soft Skills und allgemeinen Führungsqualitäten. Es gibt auch Unternehmen, die Führung komplett abgeschafft haben und im Arbeitnehmer*innen-Kollektiv Entscheidungen fällen.  Im Arbeitsalltag treffen Angestellte heute viele Entscheidungen, ohne noch einen Boss zu konsultieren. 


9 to 5 (Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?). USA, 1980. Regie: Colin Higgins. Buch: Colin Higgins, Patricia Resnick


[1] Wir reden inzwischen in Deutschland vom „Thomas-Prinzip“: Thomas stellt Thomas ein, was bedeutet, einen mittelalten weißen Mann, Wirtschaftswissenschaftler wie man selbst, in der Baby-Boomer-Zeit der 1960er Jahre geboren. Da weiß man, was man hat. Es gibt laut dem Jahresbericht 2018 der deutsch-schwedischen AllBright-Stiftung in den Vorständen deutscher Großunternehmen (DAX-Unternehmen) mehr Menschen, die Thomas oder Michael heißen, als Menschen, die Frauen sind (oder aus Ostdeutschland kommen. Oder beides). http://www.allbright-stiftung.de/allbright-berichte

[2] ‚Teilzeit‘ ist die generische Bezeichnung für eine individuelle Stundenreduzierung – nicht automatisch ‚halbtags‘ – in Bezug auf eine Vollzeitstelle. In der Regel bedeutet dies, dass die/der Arbeitnehmer*in seine/ihre Arbeit dann in dieser verringerten Zeit erledigt, oder – wenn mehrere Arbeitnehmer*innen auf Teilzeit gehen – neue Stellen geschaffen werden, die diese Stundenanteile übernehmen. ‚Job-Sharing‘ hingegen bezeichnet eine enge Zusammenarbeit von zwei Menschen, die sich eine Stelle teilen (ggfs. auch mit einem höheren Stundendeputat). In 9 to 5 ist die Rede von zwei Kolleginnen, von denen die eine vormittags und die andere nachmittags am gleichen Schreibtisch Platz nimmt.

Laut einer nicht-repräsentativen Studie der Job-Sharing-Plattform Tandemploy (https://www.tandemploy.com/de/blog/jobsharing-deutschland-2/, abgerufen 9.12.2018) 2013 nutzen 11% der deutschen Unternehmen das Mittel des Job-Sharings, um den Wünschen ihrer Mitarbeiter*innen wie Führungskräfte nach größerer Flexibilität und Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu begegnen.

Working Girl (1988)

Melanie Griffith ist der Inbegriff des Working Girls im titelgebenden Working Girl – Die Waffen der Frauen (1988) – eine Ikone der 1980er. Durch Herkunft, Familie, Freund und Wohnsitz[1] förmlich zu Boden gezogen, versucht sie doch, sich den Weg nach oben zu erkämpfen. Tess McGill liest Zeitung (und People-Magazine, etwa The New York Post, was sich noch als entscheidend herausstellen wird), besucht Abendkurse, verwandelt sich auf der morgendlichen Fährfahrt von der Kleinstadt-Pomeranze zur taffen Wall-Street-Sekretärin, und ihre Turnschuhe für den Arbeitsweg tauscht sie im Büro gegen Highheels. Trotz aller Anstrengungen geht ihre Karriere jedoch nur seitwärts: von einem Cubicle zum nächsten, von einem anzüglichen Chef/Kollegen zum nächsten. Bis sie bei Katharine Parker (Sigourney Weaver als Biest) landet, die anders zu sein scheint. Aber auch Frauen in Führungspositionen können Nieten in Nadelstreifen sein. Katharine Parker gibt vor, auf der Beziehungsebene an ihrer Untergebenen interessiert und eine gute Chefin zu sein. Die falsche Schlange klaut dann aber – karrieregeil, wie sie ist – eine Idee, die Tess ihr vertrauensvoll angetragen hat.

Blick von der Staten Island Ferry: Fährverkehr in der Upper New York Bay ((c)Kevin Pieter Huthmann)

Durch einen Unfall und Beinbruch ausgebremst, kann Ms. Parker Tess aber nicht daran hindern, eine andere Persona anzunehmen inklusive distinguierter Föhnfrisur, Designerklamotten ihrer Chefin und einer von dieser entlehnten Sprechweise – und auf diese Weise ihre Idee selbst zum Leben zu bringen und einen Wall-Street-Deal zu lancieren. Dass Tess es als Chefin anders halten wird als ihre vorherigen Bosse, zeigt sich in der vorletzten Szene des Films, in der sie nun endlich auf der anderen Seite des Schreibtischs angekommen ist. Zu ihrer neuen Sekretärin sagt sie: „Bitte nennen Sie mich Tess. Ich erwarte nicht, dass Sie mir Kaffee bringen, außer, wenn Sie sich gerade selbst einen holen. Und der Rest wird sich zeigen.“

Tess McGill ist nicht einfach ein Jungspund, frisch von der Uni oder der Business School, wie in vielen anderen Filmen nach dem Wall-Street-Muster. Tess kommt von der anderen Seite der  Straße, von wo normalerweise kaum ein Weg ins Fensterbüro in einem Konzern führt. Dein Rock ist zu kurz? Deine Haare zu wild? Dein Make-up zu grell? Deine Stimme zu hoch? Dann vergiss es, hat sie gelernt. Aber damit findet sie sich nicht ab. Working Girl ist das role-model für all jene, die nicht mit dem Silberlöffel im Mündchen geboren wurden, deren Eltern ihnen keinen Platz an der Sonne reserviert haben und deren Umfeld vor allem auch nicht versteht, warum man/frau mehr wollen könnte als ein kuscheliges Heim und eine Ehe. Die in die Wiege gelegten Privilegien, die zu einem (geld-)sorgenfreien Studium an einer Eliteuniversität führten, findet eine Katharine Parker ganz selbstverständlich. Sie meint, sie habe auf alles ein Anrecht und sie habe sich das Erreichte selbst hart erarbeitet.[2] Diese Privilegien nicht zu haben, ist sich Tess sehr bewusst – und mit ihr die Zuschauer*innen, die sich in ihr wiedererkennen. Findet sich eigentlich auch jemand in Katharine Parker wieder?


Best Practice: Wie sind Sie darauf gekommen?

Klimax des Films ist die Szene, in der Wirtschaftsmogul Oren Trask in einem Elevator Pitch[4] aufzuklären versucht, woher die Idee für die Fusion kam, von der Tess McGill ihn (zusammen mit Jack Trainer) überzeugen will, und die ihre Chefin Katharine Parker als ihre eigene ausgibt. Wie Tess in diesem Moment glaubhaft erläutert, hatte sie einen Geistesblitz: Beim Lesen der Society-Seiten, wo sie ein paar Verbindungen herstellte, die man an keiner Business School lernt. „Ich lese viele verschiedene Sachen. Man weiß nie, woher eine große Idee kommt.“ („I read a lot of things. You never know where the big ideas could come from.”) Eine gute Maxime für alle, die kreative Einfälle haben und innovative Ideen durchbringen wollen, und die dabei nicht in Tess‘ Ausgangssituation geraten möchten.


Tipp: Die Magical History Tour

Im Berliner Kino Arsenal erlebte der Film im April 2019 eine Wiederaufführung: In der Reihe Magical History Tour ging es thematisch um Kleider in Bewegung – Kostüme, Stile und Mode im Film, was man an Tess‘ Metamorphose in der äußeren Erscheinung wie ihrer Stimme sehr gut nachvollziehen kann.


Working Girl (Die Waffen der Frauen). USA, 1988. Regie: Mike Nichols. Buch: Kevin Wade.

Oben der Vorspann von „Working Girl“: Die Staten Island Ferry auf ihrem Weg nach Manhattan, die Skyline mit den Twin Towers – zu Carly Simons oscarprämiertem Titelsong „Let the river run“. Unten der offizielle Trailer.

[1] Staten Island, der 5. Borough von New York City, das mit einer kostenlosen Fähre mit Manhattan und seiner Wall Street verbunden ist. Wie sich auf dieser Fähre die Kleinstadtfrauen bis heute jeden Morgen in Working Girls verwandeln, die Manhattan erobern, fängt der oscarnominierte Dokufilm „Ferry Tales“ (2003) von Katja Esson ein.

[2] Einige schlaue Gedanken und weiterführende Links zum Thema Privilegien und der Haltung, es sich selbst verdient zu haben, hier: https://www.bueronymus.de/privilegien-checken/ (abgerufen 25.12.2018)

[4] Lustigerweise findet hier der Pitch tatsächlich in einem Elevator, in einem Aufzug statt. Mit der Übung elevator pitch sollen sonst in der Tat Entrepreneure und solche, die es werden wollen, ihre Kern-Business-Story, ihr Alleinstellungsmerkmal, ihre durchschlagende Idee für ihr Gegenüber so kurz fassen, dass jeder es versteht und im besten Falle natürlich überzeugt ist. Dauer: So kurz wie eine Aufzugfahrt dauert.